In diesem Herbst läuft die vorletzte Phase der Bunkerrenovierung. Wir haben mit Golfplatzarchitekt Dr. Hendrik Hilgert gesprochen, der den Platz gemeinsam mit seinem Partner Frank Pont seit 2015 betreut. Das vollständige Interview lesen Sie in der letzten Clubzeitung des Jahres.
Colts Idee als Maßstab
2015 haben Hilgert und Pont im Auftrag des Clubs einen langfristigen Entwicklungsplan erstellt, in dessen Mittelpunkt das Erbe von Harry Colt steht und in dem die Bunkerrenovierung ein wesentlicher Baustein ist. Eine exakte Kopie des Originalplatzes ist aber nicht das Ziel. „Die originale Bebunkerung zu 100 % zu restaurieren, ist eigentlich bei keinem Projekt die Lösung“, sagt Hilgert. „Stattdessen möchten wir die Design-Intention und die Lochstrategien von Colt wiederherstellen.“ Grundlage sind historische Luftbilder, Fotos und Pläne. Angepasst wird vor allem an die heutigen Schlaglängen.
Außerdem sprechen auch technische und optische Gründe für die Renovierung. An den alten Bunkern erodieren die Kanten, bei Starkregen werden die Böschungen ausgespült und der Sand verschmutzt. Einige der sind inzwischen so tief, dass der Ein- und Ausstieg erschwert wird, und entsprechen teilweise nicht mehr der Colt-Optik.
Von 2018 bis 2020 wurden bereits Bunker renoviert. In diesem Herbst folgen die noch nicht renovierten Bunker auf den vorderen Neun, im Herbst 2027 folgen Arbeiten auf den Bahnen 11, 14, 16, 17 und 18. Zur Saison 2028 sollen alle Bunker fertig und eingewachsen sein.
Was sich an der 4 und der 7 ändert
Die Arbeiten in dieser Bauphase werden vor allem die Spielstrategien an den Bahnen 4 und 7 beeinflussen. An der 4 kehrt der Platz zu Colts Konzept eines einzelnen Bunkers auf der rechten Seite zurück. Er liegt jetzt weit vorn an der Kuppe und wird rechtsseitig in eine große Heidefläche eingebettet. Auf der linken Seite wird das Fairway erweitert. Wer die Ecke abkürzen will, geht künftig mehr Risiko ein, spätestens wenn die Heide in einigen Jahren dicht ist. Deshalb erwarten wir, dass sich die Spiellinien nach links, bewusst weg von der Grundstücksgrenze, verschieben werden.
An der 7 wandert der Fairway-Bunker zurück auf die linke Seite, wo Colt ihn ursprünglich platziert hatte, allerdings rund 30 Meter weiter vom Tee entfernt. Für Long-Hitter wird die Bahn damit anspruchsvoller, für die meisten anderen ist der Bunker vom Tee nicht erreichbar. Der neue Bunker ist optisch eine große Bereicherung, denn er bildet eine schöne Diagonale mit den 3 Bunkern rechts vor dem Grün. Mittelfristig ist geplant, auf der rechten Seite des Spielkorridors eine Heidefläche anzulegen, die Fehlschläge nach rechts bestrafen wird.
Weniger Nasen, mehr Heide
Optisch folgen die neuen Bunker Colts Prinzipien: hohe, gut sichtbare Sandböschungen, niedrige Eingänge und individuelle Formen. Die markanten Nasen aus der Renovierung vor rund 20 Jahren reduzieren sich. Auf historischen Bildern sind nur wenige von diesen in Falkenstein zu finden. Abweichend vom Original bleiben die Kanten kurz gemäht, damit es rund ums Grün keine schlechten Lagen gibt. Heide wie an der 10 und der 13 kommt jetzt auch an den Fairway-Bunkern der 1 und der 4 zum Einsatz.
Weniger Pflegeaufwand
Eine Trennschicht zwischen Sand und Boden verhindert bei den renovierten Bunkern weitgehend Kantenerosion und Ausspülungen. Der Sand muss deutlich seltener ausgetauscht werden, der Pflegeaufwand reduziert sich.
Viele Clubs beauftragen für ein Projekt dieser Größenordnung eine Firma mit der kompletten Umsetzung. In Falkenstein sind dagegen nur ein Shaper für die Baggerarbeiten und eine Spezialfirma aus England für die Trennschicht im Einsatz, die übrigen Arbeiten erledigt Gareth Bremner mit seinem Greenkeeping-Team. Dies bedeutet neben der Platzpflege einen erheblichen Mehraufwand für das Platzteam und weniger Kosten für Externe. Aber nur so haben wir unseren qualitativen Anspruch an das Finish in unserer Hand und nicht in der Hand Dritter.